Dreist aber wahr: vom Plagiator des Plagiats beschuldigt

Posted by Peter on Oktober 11, 2006 at 11:38 .

Es ist erschreckend, wie manche Plagiarismusfälle sich entwickeln. Die meisten kreativ tätigen Menschen denken erst dann über das Thema nach, wenn es zu spät ist. Kaum einem ist bewußt, was für ein Risiko er oder sie mit dieser Haltung eingeht. Folgendes ist einem Schriftsteller passiert, der bis dato ein solches Szenario nie für möglich gehalten hätte:

Der Schriftsteller S ist kein Anfänger. Er hat zum fraglichen Zeitpunkt bereits zahlreiche Werke und Bücher veröffentlicht. So ist es kein Wunder, dass er beauftragt wurde, ein Theaterstück in einer benachbarten Gemeinde zu schreiben. Das Stück wurde von drei Veranstaltern umgesetzt und als ein öffentliches Festspiel aufgeführt.

Bereits auf der Werbung für das Festspiel wurde entgegen der Vereinbarung an keiner Stelle der Autor S genannt. Dies wurde von den Veranstaltern als nicht so wichtig empfunden, S war selbstredend verärgert.

Das Festspiel war ein Erfolg. Ein geschäftstüchtiger Mann filmte das Festspiel im Auftrag der Veranstalter. Das daraus produzierte Video wurde verkauft. Von den Erlösen erhielt S keinen Cent, doch damit war es nicht genug. Erneut wurde er an keiner Stelle als Autor erwähnt.

S ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und schaltete an dieser Stelle die Schriftstellervertretung ein. Ein Gewerkschaftsanwalt ging schon bald gerichtlich gegen die Veranstalter vor, um die Urheberrechte des S durchzusetzen.

Zunächst schien ein Vergleich in Aussicht zu stehen. Dann behauptete jedoch die Gegenseite frech, S sei gar nicht der Urheber des Werkes. Der Richter verlangte nun von S, seine Urheberschaft nachzuweisen. Anstatt Schadensersatz und Lizenzzahlungen zu erhalten, sah sich S auf einmal selbst in der Beweispflicht und es wurde schnell deutlich, dass dies eine äußerst prekäre Lage war.

S brachte seine handschriftlichen Notizen zur Vorlage. Der Richter erkannte jedoch, dass diese Notizen nur den Inhalt wiedergeben, nicht jedoch den Zeitpunkt, an dem sie erstellt wurden. In heutigen Fällen würden zwar Computerdateien vorgelegt werden, doch in Anbetracht der schnellen Kopierbarkeit von elektronischen Dateien dürfte die Aussagekraft hier sogar noch geringer sein.

Es existierten nach der längeren Zeit keine Zeugen des Schaffensprozesses und auch keine anderweitigen Beweise dafür, dass tatsächlich S das Werk geschaffen hat. Mangels besserer Alternativen ersonn der Richter einen Beweisweg, der an Kuriosität kaum zu überbieten ist:

Der Richter las zufällig ausgewählte Textpassagen aus dem Stück vor und S musste seine Textkenntnis beweisen, in dem er die zugehörigen Stellen aus seinem Stück heraussuchte. Es war eine sehr entwürdigende Situation, zumal diese Vorgehensweise auch bei einer Person, die mit dem Text gut vertraut ist, zu demselben Ergebnis geführt hätte.

S beendete nach dieser Farce seine Bestrebungen, sein Recht zu bekommen. Er erkannte, dass dieses Recht ohne belastbare Beweise nicht durchsetzbar ist und im Gegenteil sich sogar gegen ihn wenden kann. Heute achtet S darauf, Nachweise seiner Urheberschaft jederzeit führen zu können. Hierzu hinterlegt er seine Werke regelmäßig bei einem Notar. Im Ernstfall kann S dann eine notarielle Beglaubigung des Hinterlegungszeitpunktes vorlegen, die peinliche Situation wird ihm nicht noch einmal begegnen.

3 Comments

  • Robert Schröter sagt:

    Besser noch, er hinterlegt sie bei Priormart.com. Dort kann er nämlich im Vergleich zum klassischen Weg enorm Zeit und Geld sparen.

  • gabriel sagt:

    Ich gebe meine Werke immer mehreren guten Bekannten auf CD
    so dass im notfall 3-4 leute bezeugen können das ich autor bin

  • StefanG sagt:

    Hmm… kein Mail-Verkehr? Kein Auftrag mit grundsätzlicher Beschreibung des Inhalts? Kein Meeting mit nachher verteilten Besprechungsnotizen? Oft hilft bereits, kreative Notizen in einem gebundenen Buch festzuhalten - aus der zeitlichen Entwicklung mit anderen Projekten kann eine Zeitachse rekonstruiert werden.

    Der Fall ist kurios. Im Wirtschaftsrecht gibt es die “Sorgfalt eines Kaufmanns”. Wenn die fehlt ist es immer schwer, Ansprüche durchzusetzen.

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