Category Archives: Schriftsteller

Hegemann: Plagiat “total legitim”

Sie wurde als neuer Star am Buchhimmel gefeiert. Nun musste die 17-jährige Helene Hegelmann bekanntgeben, dass nicht alle Stellen des Debütromans “Axolotl Roadkill” ihrem Geiste entsprungen sind. Einige der Ausführungen stammen von einem Blogger mit dem Namen “Airen”, der Textpassagen seines Buches “Strobo” auf der Internetseite gefuehlskonserve.de veröffentlichte.

Darauf angesprochen, antwortete die junge Schriftstellerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: “Airen, von dem ich insgesamt eine Seite, ohne sie groß verändern zu müssen, regelrecht abgeschrieben habe, ist ein großartiger Schriftsteller, dessen Blog im Internet einen Teil der alternativen Lebensweise, über die ich berichten wollte, auf den Punkt gebracht hat, und mit dem ich über das Buch auch ein Stück weit versuche, in Kommunikation zu treten.“

Zumindest in der Danksagung taucht “Airen” nun auf, auch wenn die Aufnahme auch erst zur zweiten Auflage erfolgte. Derzeit bemüht sich der Ullstein-Verlag, bei dem Hegemann unter Vertrag steht, mit dem Verlag in dem “Strobo” erschienen ist, zu einigen und die benötigten Rechte nachträglich zu erwerben.

Schuldbewusst zeigte sich das Nachwuchstalent im ersten Moment nicht: Sie selbst fand ihre Vorgehensweise “total legitim”. Erst später, unter dem Druck der Medienberichterstattung, entschuldigte sie sich bei allen Rechtinhabern für ihr sorgloses Verhalten.

(Berichte zu diesem Plagiatsfall in FAZ.de, Süddeutsche.de sowie Spiegel online)

“Karl-Heinz, ich danke Dir…”

Mit diesen Worten dürfte sich vermutlich die Urheberin eines “Danke”-Gedichtes bei Karl-Heinz Rummenigge bedanken. Dieser trug auf der Jahreshauptversammlung eine Danksagung an den scheidenden Präsidenten in Gedichtform vor. Dies tat er allerdings ohne mit der Urheberin vorher ohne Rechteklärung. Nun wurde bekannt, dass der FC Bayern die geforderten 1.000 € gezahlt habe.

Ich danke Dir, das fällt nicht schwer: / Danke, danke, danke sehr

Dieses Gedicht hätte durchaus von einem Fußballprofi stammen können, doch Karl-Heinz Rummenigge hat es weder selbst gedichtet noch die Urheberin um Erlaubnis gefragt. Nun streiten sich die Anwälte.
http://www.sueddeutsche.de/sport/333/499609/text/

Textplagiat, eben gefunden

Die Meldung zu dem Textplagiat habe ich zwar erst eben gefunden, der Fall scheint aber deutlich älter zu sein. Dessen unbenommen möchte ich Ihnen den Link nicht vorenthalten. Für Texter und Literaten wird es sicher auch von Interesse sein, in welcher Form Textklau im Jahr 2006 stattfand.

Hier der Link: http://www.juraforum.de/forum/showthread.php?mode=hybrid&t=123558

Vom Autor zum Bäcker?

Was haben Autoren und Bäcker gemeinsam? Zu wenig, findet Andreas Bogk vom Chaos Computer Club auf dem Taz-Kongress. Der Autor bekommt für jede Kopie Geld, der Bäcker für seine Brötchen dagegen nur einmal.

Das würde stimmen, wenn der Bäcker jedem Brötchen eine Backanleitung mitgibt und fortan jeder Brötchenkäufer seine Brötchen zum Nulltarif alleine bäckt. Solange der Kunde aber seine Brötchen jeweils neu vom Bäcker holt, erhält der Bäcker für die Umsetzung eines einziges Brötchenrezeptes (im Urheberrechtsjargon: Verwertung und Vervielfältigung) auch immer wieder Geld.

Sonst müsste er wohl auch im Hauptjob Taxi fahren und hätte damit mit dem Autor von heute durchaus etwas gemein.

Elf Tafeln nachgemalt - Gemeinde zahlt 13.000 EUR an Künstlerin

Mit dem Urheberrecht scheint sich in der Gemeinde Hergensweiler erst vor kurzem jemand beschäftigt zu haben, und dies keineswegs freiwillig. Nach einem gerichtlichen Vergleich musste die Gemeinde 13.000 EUR Entschädigung an die Künstlerin Sylvia G. Kost zahlen.

Elf Tafeln mit Maibaummotiven der Künstlerin waren 2005 bei einem Brand zerstört worden. Praktisch veranlagt, zeichneten zwei Hergenswalder Frauen die elf Tafeln neu, mit denselben Motiven. Das dies gegen die Rechte der Künstlerin verstieß, wusste man anscheinend nicht und man wollte es auch nicht wissen, die mehrfachen Hinweise der Künstlerin gegenüber dem Bürgermeister der Stadt blieben folgenlos.

SZON

Google: Von “Don’t be evil” zum “Teuflischen Plan”

“Das Teuflische an diesem Plan” titelt die FAZ zu einem Artikel über die Google-Strategie. “Don’t be evil” lautet das Mantra, mit dem der Suchmaschinenriese gestartet ist und womit viele Sympathien gewonnen hat. Aktuelle Diskussionen um Datenschutz und Marktdominanz deuten schon längere Zeit in eine andere Richtung, der FAZ-Artikel geht noch einmal einen Schritt weiter.

Gegenstand des Beitrages sind Googles Bestrebungen zur Digitalisierung der weltweiten Buchbestände. Nach Einschätzung der Autoren sind vor allem kleine Verlage und Autoren durch das aktuelle Verfahren benachteiligt. Spätestens wenn Google selbst als Verlag auftritt (2011), wird die Dominanz für die Verlags- und Buchbranche zum Problem. Solange wollen die Vertreter der schreibenden Zunft nicht warten, doch schlüssige Gegenkonzepte stehen noch aus.

FAZ.NET

Mitarbeiter geht zur Konkurrenz und nimmt Entwürfe mit.

Es war einmal in einem fernen Land… nein, Spaß beiseite, die folgende Geschichte ist in Deutschland passiert und leider wahr. Sie handelt von einem kleinen Verlag, der aus rechtlichen Gründen ungenannt bleiben muss. Die Geschichte beschreibt ein besonderes Lehrstück in Sachen Dreistigkeit und zeigt wieder einmal, wie unverhofft und durchschlagend Plagiarismus innerhalb Deutschlands auftritt.

Der betroffene Verlag ist seit Jahrzehnten im Geschäft und gilt als eingeführt. Gemeinsam mit einigen anderen Verlagen teilte sich dieser Verlag eine Nische am Druckmarkt und führte so ein nicht luxuriöses aber erträgliches Dasein. Unter den Mitarbeitern herrschte ein kollegiales Verhältnis. Man arbeitete schon lange zusammen, wusste um seine Stärken und Schwächen und kam gut miteinander aus. Auch unter den Verlagen in der gemeinsamen Marktnische herrschte ein korrekter Umgang.

So war es, bis sich ein neuer Verlag in diese Nische drängte. Leider setzte der “neue” nicht auf fairen Wettbewerb sondern auf „Sieg um jeden Preis“. Nun ging es nicht mehr nur darum, das beste Produkt zu erstellen und die Leistungen des anderen auch sportlich anzuerkennen, sondern es wurde auch gezielt versucht, die anderen Verlage beim Kunden schlecht zu machen.

Die “alten” Verlage hielten jedoch zusammen. Gemeinsam konnten sie den neuen Marktteilnehmer im Zaum halten, schließlich kannten sie den Markt immer noch am besten. Der Angreifer zog sich aber nicht zurück. Statt dessen änderte er die Taktik. Wenn es ihm also nicht gelang, die Verlage beim Kundenkontakt zu schwächen oder in der Qualität zu übertrumpfen, dann musste er sie eben im Innersten angreifen, bei den Mitarbeitern.

Gezielt kontaktierte der Angreifer-Verlag die wichtigen Mitarbeiter der anderen Verlage. Es kam schnell ans Tageslicht, dass er versuchte, Mitarbeiter abzuwerben und die Verlage versuchten natürlich, dies zu verhindern. Doch praktisch findet sich wohl in den meisten Teams mindestens einer, für den der richtige Arbeitgeber nur eine Frage des Geldes ist. Wie viel der Angreifer-Verlag geboten hat, ist nicht bekannt. Womöglich war dem Mitarbeiter, der sich auf den Handel einließ, auch gar nicht bewusst, welche enormen wirtschaftlichen Auswirkungen er dadurch verursachen würde.

Tatsache ist, dass bei dem Verlag, von dem hier die Rede ist, wenige Wochen später ein Mitarbeiter kündigte und sofort am nächsten Tag eine Tätigkeit bei dem neuen Wettbewerber aufnahm. Dies war für die Verlagsleitung auf jeden Fall ein Schock. Die echte Überraschung stand jedoch noch bevor.

Der neue Wettbewerber begnügte sich nicht damit, einen wichtigen Mitarbeiter abzuwerben. Er veranlasste auch, dass dieser Mitarbeiter alle Ideensammlungen und -skizzen seines alten Arbeitgebers mitbrachte. Erst Tage später fiel auf, dass die Mappe, die im Zimmer des Geschäftsführers lagerte, leer war.

Das Zimmer des Geschäftsführers wurde nicht abgeschlossen, jeder hätte theoretisch unbemerkt hineingehen können. Man kann dem Verlag deshalb vorwerfen, nicht genügend für die Sicherheit getan zu haben. Allerdings muss man auch daran denken, dass sich die meisten Mitarbeiter bereits seit über 20 Jahren kannten. Es herrschte eine Atmosphäre des Vertrauens, die man auch nicht durch Geheimniskrämerei zerstören wollte.

Sämtliche Ideen waren also weg. Es wurde versucht, schnell aus dem Gedächnis soviel wie möglich wiederherzustellen, mit mäßigem Erfolg. Der abgewanderte Mitarbeiter hatte auch persönlich alle Kontakte zu seinen Kollegen abgebrochen, er lebte sich im neuen Verlag schnell ein. Und nur wenige Wochen später erschien das erste Produkt, dass den Geschädigten sehr bekannt vorkam.

Seither geht es mit der wirtschaftlichen Lage des Verlages bergab. Der neue Wettbewerber weiß, was geplant war und bemüht sich, immer kurz vorher ein identisches Produkt aufzulegen. Gleichzeitig überrascht er im Markt mit neuen Ideen. Im Wohlwollen der Kunden konnte der neue Verlag stark aufholen, während die Dopplungen bei den Neuerscheinungen dem alten Verlag angelastet werden.

Juristisch kann praktisch nichts unternommen werden. Die Anzeige wegen Diebstahls gegen unbekannt blieb unaufgeklärt, weitere Ansatzpunkte existierten nicht. Der geschädigte Verlag hat keinen stichhaltigen Beweis, dass die Ideensammlung einmal ihm gehört hat. Er muss nicht nur tatenlos zusehen, wie der andere Verlag aus den eigenen Ideen erfolgreiche Projekte macht, sondern er muss sich auch noch selbst gegen den Plagiarismusvorwurf verteidigen, wenn wieder einmal kurz vor der Veröffentlichung der Wettbewerber mit einem ähnlichen Produkt auf den Markt kommt.

Die aktuellen Bemühungen, zukünftig die Ideen und halbfertigen Werke zu hinterlegen, werden für die Vergangenheit keine Wirkung mehr entfalten. Unverhofft und wirkungsvoll wurde dem Verlag deutlich gemacht, auf welch labilem Grund die vermeintlichen Urheberrechte stehen. Recht zu haben genügt eben nicht, man muss es auch beweisen können.

Große Namen schützen nicht vor Plagiarismus, im Gegenteil

“Plagiiert, beraten und verkauft” titelt Thomas Barth in der gestrigen Telepolis. Bestsellerautor Thomas Leif muss sich vor Gericht gegen den Vorwurf des Plagiarismus verteidigen. Kläger ist Korruptions-Spezialist Werner Rügemer, welcher 2004 das Buch “Die Berater” veröffentlichte. Aus eben jenem Werk finden sich nun Textpassagen in Leifs Bestseller “Beraten und verkauft”. Das Werk erschien bei einem der renommiertesten Verlage der Welt, bei C.Bertelsmann/Random House. Bereits bei der Verhandlung um Dan Browns Bestseller “Sakrileg” war Random House involviert, nun folgt also der nächste Fall von Plagiarismus.

Gelingt es Leif nicht, seine Urheberschaft vor Gericht nachzuweisen, wird er mit Schadensersatz und Unterlassung zu rechnen haben. Es zeigt sich, dass auch Träger großer Namen durchaus zum Plagiat fähig sind. Als Schutz vor dem Plagiatsvorwurf dienen große Namen aber immer weniger und der aktuelle Fall wird sicherlich das seinige dazu tun.

Dreist aber wahr: vom Plagiator des Plagiats beschuldigt

Es ist erschreckend, wie manche Plagiarismusfälle sich entwickeln. Die meisten kreativ tätigen Menschen denken erst dann über das Thema nach, wenn es zu spät ist. Kaum einem ist bewußt, was für ein Risiko er oder sie mit dieser Haltung eingeht. Folgendes ist einem Schriftsteller passiert, der bis dato ein solches Szenario nie für möglich gehalten hätte:

Der Schriftsteller S ist kein Anfänger. Er hat zum fraglichen Zeitpunkt bereits zahlreiche Werke und Bücher veröffentlicht. So ist es kein Wunder, dass er beauftragt wurde, ein Theaterstück in einer benachbarten Gemeinde zu schreiben. Das Stück wurde von drei Veranstaltern umgesetzt und als ein öffentliches Festspiel aufgeführt.

Bereits auf der Werbung für das Festspiel wurde entgegen der Vereinbarung an keiner Stelle der Autor S genannt. Dies wurde von den Veranstaltern als nicht so wichtig empfunden, S war selbstredend verärgert.

Das Festspiel war ein Erfolg. Ein geschäftstüchtiger Mann filmte das Festspiel im Auftrag der Veranstalter. Das daraus produzierte Video wurde verkauft. Von den Erlösen erhielt S keinen Cent, doch damit war es nicht genug. Erneut wurde er an keiner Stelle als Autor erwähnt.

S ist Mitglied der Gewerkschaft ver.di und schaltete an dieser Stelle die Schriftstellervertretung ein. Ein Gewerkschaftsanwalt ging schon bald gerichtlich gegen die Veranstalter vor, um die Urheberrechte des S durchzusetzen.

Zunächst schien ein Vergleich in Aussicht zu stehen. Dann behauptete jedoch die Gegenseite frech, S sei gar nicht der Urheber des Werkes. Der Richter verlangte nun von S, seine Urheberschaft nachzuweisen. Anstatt Schadensersatz und Lizenzzahlungen zu erhalten, sah sich S auf einmal selbst in der Beweispflicht und es wurde schnell deutlich, dass dies eine äußerst prekäre Lage war.

S brachte seine handschriftlichen Notizen zur Vorlage. Der Richter erkannte jedoch, dass diese Notizen nur den Inhalt wiedergeben, nicht jedoch den Zeitpunkt, an dem sie erstellt wurden. In heutigen Fällen würden zwar Computerdateien vorgelegt werden, doch in Anbetracht der schnellen Kopierbarkeit von elektronischen Dateien dürfte die Aussagekraft hier sogar noch geringer sein.

Es existierten nach der längeren Zeit keine Zeugen des Schaffensprozesses und auch keine anderweitigen Beweise dafür, dass tatsächlich S das Werk geschaffen hat. Mangels besserer Alternativen ersonn der Richter einen Beweisweg, der an Kuriosität kaum zu überbieten ist:

Der Richter las zufällig ausgewählte Textpassagen aus dem Stück vor und S musste seine Textkenntnis beweisen, in dem er die zugehörigen Stellen aus seinem Stück heraussuchte. Es war eine sehr entwürdigende Situation, zumal diese Vorgehensweise auch bei einer Person, die mit dem Text gut vertraut ist, zu demselben Ergebnis geführt hätte.

S beendete nach dieser Farce seine Bestrebungen, sein Recht zu bekommen. Er erkannte, dass dieses Recht ohne belastbare Beweise nicht durchsetzbar ist und im Gegenteil sich sogar gegen ihn wenden kann. Heute achtet S darauf, Nachweise seiner Urheberschaft jederzeit führen zu können. Hierzu hinterlegt er seine Werke regelmäßig bei einem Notar. Im Ernstfall kann S dann eine notarielle Beglaubigung des Hinterlegungszeitpunktes vorlegen, die peinliche Situation wird ihm nicht noch einmal begegnen.