Die Liste der Plagiatsfälle im Musikgewerbe scheint endlos und nun ist auch der 3-fache Grammy-Gewinner Coldplay dabei. Wie der Tagesspiegel berichtet, hat der Gitarren-Virtuose Joe Satriani Klage einegereicht, nachdem er frappierende Ähnlichkeiten zwischen seinem Song “If I could fly” und dem Hitparaden stürmenden Titelsong des neuen Coldplay-Albums festgestellt hat. Kai Müller vom Tagesspiegel fragt deshalb “Wo verläuft die Grenze zwischen Ideenklau und künstlerischer Freiheit?” Gibt es vielleicht gar keine neue Musik mehr?
Plagiarismus
Infoblog zum Thema Plagiarismus, Urheberschutz & Urheberrecht
Category Archives: Plagiatsfälle
Update zum Facebook-Ideenklau: 65 Mio. EUR
65 Mio USD ließ sich Facebook den Vergleich mit ConnectU kosten, wie Heise.de heute meldet. Über die Summe sollte Stillschweigen gewahrt werden, doch eine Werbebroschüre der ConnectU-Anwälte enthielt die verräterische Zahl.
Alles in allem ein lukratives Ergebnis des 4 Jahre dauerndes Streites.
Raubkopie-Abmahner Bushido ein Plagiator?
Kennt jemand Bushido?
Der Rapper machte erst Schlagzeilen, weil er in großem Stil Raubkopierer abmahnen ließ und dabei sogar einen Rentner verklagte.
http://www.welt.de/webwelt/article2220331/Bushido_siegt_vor_…
Selbst nimmt er das Urheberrecht aber nicht so genau, er wurde verklagt, weil er angeblich auf 16 Stücken seines neuen Albums abgekupfert hat.
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,591471,00.html
Dreist.
Auch das: US-Rapper kopieren bei Donald Trump.
Der Schutz von TV-Formaten ist ein kompliziertes Umfeld. Trotz uneinheitlicher Rechtslage zur Schutzfähigkeit von innovativen TV-Shows werden in Europa jährlich 500 Millionen Euro mit dem Handel von TV-Formaten umgesetzt (FRAPA.org) weltweit sind es Milliarden.
Immobilien- und Medienmilliardär Donald Trump war 2004 mit seiner Show “The Apprentice” außerordentlich erfolgreich. 26 Millionen Zuschauer verfolgten die erste Staffel, seither sind die Zahlen jedoch rückläufig. In Deutschland wurde mit Rainer Calmund in “BigBoss” ein CopyCat-Format gestartet, allerdings ohne Erfolg.
Beliebter war die Adaption des US-Rappers P.Diddy. Mit seiner Show “I want to work for Diddy” konnte er einen Quoten-Hit landen, der aber eben nur eine Kopie ist, wie Donald Trump in einem Interview betont. Am 6.11. startete auch noch 50 Cents CopyCat-Show “The Money And The Power”. Mit 50 Cent ist Trump sogar befreundet.
Trump wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass er das Original dieser Shows gestartet hat. Bei Ideenklau hört die Freundschaft anscheinend auf.
Quelle: http://rap.de/news/3716
Patente sind wie Atombomben - man muss einfach ein paar haben
Dieser Satz, frei aus dem Englischen übersetzt, offenbart nicht nur die spezielle Einstellung der Amerikaner zu Atombomben, sondern sagt auch viel über den Zustand des Ideenschutzes in der größten Volkswirtschaft der Welt.
Tausende Patente werden jedes Jahr angemeldet. Doch erfüllen sie noch ihre Funktion? Angenommen, ein US-Startup meldet ein Patent an und investiert Geld (25K USD) und viel Zeit in diese Ideenschutzmaßnahme. Ist die Idee nun sicher?
Nein. 4-6 Jahre werden veranschlagt, bis ein angemeldetes Patent genehmigt wird. Das ist in der heutigen Ökonomie eine Ewigkeit. Wettbewerber können während dieser Zeit die Idee kopieren, weiterentwickeln, kommerzialisieren und den Ertrag einfahren. Die sogenannte „Copycat-Kultur“ ist ein direktes Ergebnis dieser Entwicklung, Startups kopieren sich gegenseitig.
Wirklich schwer wird es jedoch, wenn ein Großunternehmen ein Startup kopiert. Hatte Microsoft den Webbrowser „erfunden“? Nein. „Erfinder“ Netscape (Marc Andreesen) wurde trotzdem aus dem Markt gedrängt. Glücklicherweise sind viele Großunternehmen zu langsam, um effektiv zu kopieren. Doch ist eine schwache Sicherheit, wenn man die eigene Existenz schützen will.
Wer profitiert? Der Kunde. Je mehr Patente an Wer verlieren, desto weniger können Patente zur Realisierung von Monopolgewinnen genutzt werden. Die Folge sind niedrige Preise sogar für Marktneuheiten.
Sollte man unter diesem Aspekt überhaupt noch Ideenschutz betreiben? Auf jeden Fall. Zwar können Patente keineswegs mehr zur Durchsetzung monopolartiger Gewinne verwendet werden wie noch vor 30 Jahren. Doch dienen sie noch immer der Absicherung. Großunternehmen sammeln tausende Patente, um in einem Streifall eine Pattsituation zu erzeugen. Das beste Argument in einem Patentstreit ist ein Gegenpatent.
„Patente sind wie Atombomben - man muss einfach ein paar haben.“ sagt Fred Wilson und fährt fort: „Ich habe noch nie Patent gesehen, dass ein Geschäft nach vorn gebracht hat aber ich habe schon oft gesehen, wie fehlende Patente ein Unternehmen schädigen können.“
Dieses Fazit lässt sich aus dem Bereich der Patente exakt in die Bereiche Designschutz und Urheberschutz übertragen. Liegt wirklich jemandem daran, Urheberrechtsverletzungen vor Gericht auszufechten? Man kann sich auch auf einem urheberrechtlich geschützten Werk nicht ausruhen, die Arbeit geht weiter.
Die anscheinend wichtigsten Funktionen des Schutzrechts sind
a) die Prävention von Urheberrechtsverletzungen,
b) die Abschreckung von potentiellen Plagiatoren und
c) die Absicherung gegen externe Plagiatsvorwürfe.
Deshalb ist auch die notarielle Hinterlegung von Beweismitteln eine empfehlenswerte Absicherung. Sie untermauert den Rechtsanspruch des Urhebers und hinterlässt eine notarielle Urkunde, die weltweit einsatzfähig ist. Sie schafft Fakten, wo andernfalls nur Worte stehen. Und Fakten werden nicht nur beim Focus hochgeschätzt.
[Notarielle Hinterlegungen kann man bei einem Notar durchführen oder online bei www.PriorMart.com/de. Der Autor ist Vorstand der PriorMart AG. Deshalb erhalten Sie als Leser einen Gutschein über 10 EUR, einlösbar bei einer Registrierung bei PriorMart. Klicken Sie hier: http://tinyurl.com/PM10EUR]
Urheberrecht am Design
Im Forum 123recht.de ist wieder ein Fall aufgetaucht, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Ein Designer vertraut erst einem potentiellen Geschäftspartner, später traut er nicht einmal seinen Augen, als er eine Website entdeckt, auf der genau sein Entwurf umgesetzt wurde. Klassisch.
http://www.123recht.net/Urheberrecht-am-Design!__f124711.html
Deutschland - das Land der geklauten Ideen
So titelt der Spiegel in einem aktuellen Artikel. Vorgestellt werden Welterfindungen, die zwar in Deutschland erfunden wurden aber erst in Japan oder den USA zu Milliardengeschäften gemacht wurden.
Fehlt uns Deutschen etwa der Geschäftssinn? Oder scheuen wir das Risiko mehr als andere?
Neues Urheberrecht 2008 - Wirksame Waffe gegen Plagiarismus?
Das neue Urheberrecht ist in Kraft getreten. Rechteinhaber können nun direkt beim Internetprovider Anfrage stellen und müssen nicht den Umweg über die Strafanzeige gehen. Das ist vorteilhaft für die Staatsanwälte, welche dadurch erheblich entlastet werden und gut für die Industrien, die durch Raubkopierer geschädigt werden, besonders Musiklabels, Verlage und Medienkonzerne. Diese Überwachen (durch Drittanbieter) verschiedene Tauschbörsen und verfügen daher über zahlreiche IP-Adresse, die auf diesem Wege schnell in identifizierbare Personen gewandelt werden können.
Als Freiberufler oder kleine Agentur verfügt man selten über derartige Einsichten. Deren Werke werden allerdings auch weniger in Tauschbörsen verbreitet sondern eher dreist und simple im WWW kopiert. Wer nun ein Plagiat auf einer fremden Website entdeckt, kann vom Hoster dieser Seite Auskunft verlangen und auf diesem Wege ebenfalls an die Personendaten gelangen.
Spannend bleibt freilich die Beweisfrage. Wenn der Plagiator behauptet, das Werk schon lange vorher selbst geschaffen zu haben, müssen Sie Ihre Urheberschaft erst einmal selbst nachweisen.
Knifflig ist das Verfahren auch, wenn ausländische Hoster oder Websitebetreiber ins Spiel kommen. Inwiefern diese sich den Regelungen des deutschen Urheberrechts unterwerfen, wird sich zeigen.
Grundsätzlich gilt für Abmahngebühren jetzt eine Grenze von 100 EUR pro Fall. Das kann für die Rechteinhaber teuer werden, wenn die Rechtsanwaltsgebühr diesen Betrag übersteigt. Allerdings gilt diese Grenze nur für Urheberrechtsverletzungen, die “nicht in gewerblichem Ausmaß” begangen werden. Was das genau heißt, läßt der Gesetzgeber offen und überlässt es den Entscheidungen der Gerichte. Es ist aber davon auszugehen, dass zumindest in den Bereichen Design, Werbewirtschaft, Architektur überwiegend gewerbliche Nutzung besteht. Dann gilt die Begrenzung nicht.
Vieles bleibt auch in der neuen Rechtslage offen. Wie erfolgt ein rechtssicherer Urhebernachweis, solange kein öffentliches Register existiert? Wie können Plagiate effizient aufgedeckt werden? Welche Vorsorgemaßnahmen können getroffen werden, um sich selbst vor Plagiaten zu schützen? Und wie werden Wiederholungstäter unter den Plagiatoren behandelt?
Das Thema Plagiarismus und Urheberrechtsverletzungen wird noch immer stark von den Tauschbörsen, Raubkopierern und großen Medienkonzernen beherrscht, dem einzelnen Künstler, der auf Grundlage des Urheberrechts seinen Lebensunterhalt bestreitet, berücksichtigt man wenig. Hier ist Plagiarismus in den Augen vieler noch ein Kavaliersdelikt, wie aktuelle Fälle immer wieder zeigen.
IKEA nicht mehr kreativ genug?
Tja, da staunt man nicht schlecht, welche Meldung da durch die Blogosphäre geistert.
Da startet IKEA ein neues Marketingprojekt, das sich viral verbreiten und in BigBrother-Manier Deutschland erobern soll. Doch worüber wird statt dessen geschrieben? Das die Idee womöglich geklaut ist.
Angefangen hat alles mit einem Kommentar bei BloggingTim. MC Winkel, selbst Blogger, schrieb, dass er Anfang des Jahres IKEA genau diese Idee vorgeschlagen hat. Dreistes Stück.
Ein wenig weiter las ich dann, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits ein Original aus den USA gab. MC Winkel hat das Konzept ans Deutsche angepasst und es dann IKEA vorgeschlagen. Das klang dann für mich schon etwas sonderbar. Man verändert das Original um es dem Urheber als etwas neues zu verkaufen… da könnte wohl auch StudiVZ Facebook verklagen, weil die jetzt mit einer deutschen Version gestartet sind.
Nach einigem Wirbel in den Blogs hat nun MC Winkel selbst noch einmal den Vorgang beschrieben. So wie es sich für mich liest, war da also schon mehr, als nur eine Idee zu IKEA zu mailen. Da gab es Gespräche und Konzepte, die das ganze schon konkretisierten und zu einer, wie ich finde, “geschäftlichen Vorlage” machten. Gescheitert ist das ganze dann auch noch aus Geldgründen. Nicht weil MC Winkel zuviel wollte sondern weil IKEA gar nichts bezahlen wollte.
Das ist dann schon ein starkes Stück. Tja, ich bin gespannt, wie es weitergeht, die David-gegen-Goliath-Szene erinnert mich irgendwie an die Vorwürfe um die Be-Berlin-Kampagne.
Komplette Flash-Website geklaut
Da staunte der Programmierer der preisgekrönten Website www.bluemamba.de nicht schlecht. Jemand kopierte sein komplettes Flash-Portfolio, dekompilierte offensichtlich die Flash-Dateien und verwandelte sie in einen billigen Abklatsch seiner Website.
Die Plagiatsseite befand sich im Ausland, da malte sich der Programmierer keine großen Chancen auf Gerechtigkeit aus.
Doch anscheinend war gar kein Pessimismus angebracht. Zwei Wochen später war die Plagiatsseite nämlich schon nicht mehr erreichbar.
Mein Fazit:
1. Es gibt Ausland und es gibt Ausland. In vielen anderen Ländern ist die (Urheber)Rechtslage der unsrigen recht ähnlich und die Chancen auf Bereinigung der Plagiate gar nicht so schlecht.
2. Es lohnt sich immer, den Mund aufzumachen. Den Plagiator anschreiben, Blogger informieren, sich beschweren. Plagiatoren sind weder die mutigsten noch die beharrlichsten Menschen des Planeten. Wenn man im Recht ist, sollte man dafür einstehen.