Plagiarismus im Hochschulbetrieb

Posted by Peter on Juli 7, 2007 at 2:49 .

In einem Artikel aus dem Jahr 2005 fasste Frank Schätzlein die damalige Plagiatsdiskussion sehr übersichtlich zusammen. Die relevanten Quellen und Institute wurden gelistet und Tipps zum effektiven Aufdecken von Plagiaten fehlten ebensowenig. Gleichwohl benannte Herr Schätzlein auch die weiterführende Aufgabe: Nicht nur das Aufdecken sondern das Verhindern von Plagiaten muss Ziel der Aktivitäten sein.

Uns dieser Meinung anschließend, halten wir auch heute noch 3 Maßnahmen für wichtig:

I. Intensive Aufklärung

Obwohl gerade junge Menschen meist eine klare pro- oder contra-Meinung zum Thema Urheberrecht besitzen, sind sie dennoch oft erschreckend schlecht über das Thema informiert. Zahlreiche populäre Irrtümer beherrschen das Meinungsbild und verhindern eine objektive Diskussion über Plagiate. Nicht wenige glauben z.B., dass das OpenSource -Konzept urheberrechtsfrei sein. Tatsächlich erhält OpenSource ausdrücklich die Urheberrechte des Autors und gewährt lediglich Vervielfältigungs- und Verwendungsrechte. Auch werden Plagiate oft in einem Atemzug mit den “Raubkopien” der Musikindustrie genannt. Auch dies ist falsch. Die aktuelle Umbruchssituation des Urheberrechts sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass geistig arbeitende Menschen auch der Früchte ihrer geistigen Arbeit bedürfen, um dieser Arbeit dauerhaft nachgehen zu können. Dies gilt im akademischen Bereich genauso wie im künstlerischen und gewerblichen Segment. Objektive und vorurteilsfreie Aufklärung kann in vielen Fällen bereits vorab Plagiarismus vermeiden.

II. Gesteigerte Entdeckungsgefahr

Plagiate werden oft darauf zurückgeführt, dass es heute so einfach ist, zu plagiieren. Genauso einfach ist es jedoch auch, Plagiate aufzudecken. Für Textplagiate existieren bereits zahlreiche Werkzeuge, die wirkungsvoll und schnell das Internet nach Plagiaten bzw. zugehörigen Originalen durchforsten. Im Grafikbereich werden ähnliche Programme derzeit entwickelt. Alle Beteiligten sind angehalten, die Möglichkeiten zur Aufdeckung von Plagiaten zu nutzen. Wer ein hohes Aufdeckungsrisiko vermutet, wird ebenso wenig plagiieren wie ein Student in einer Prüfung mit einem Spickzettel arbeitet, wenn der Prüfer für sein scharfes Auge bekannt ist.

III. Wirksame Strafen/Abschreckung

Nahtlos schließt sich die Forderung nach wirksamen Strafen an. Hierbei ist keineswegs von drakonischen Strafen wie in der “Raubkopie”-Thematik die Rede. Wirkungsvoll können genauso öffentliche Register und universitätsinterne Maßnahmen sein. Wenn jedoch Plagiate lediglich kleinere Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen, dürfte der Anreiz das Risiko weiterhin überwiegen.

Die Funktion des öffentlichen Bretts erfüllt u.a. dieses Blog. Aus rechtlichen Gründen werden keine Personen genannt, doch können Wiederholungsfälle durch Aufklärung auch in anonymisierter Form vermieden werden. Zur Durchsetzung wirkungsvoller Strafen sind vor allem deutliche Bekenntnisse gegen Plagiate seitens der Institutsleitungen und klare Vorgaben zur Beweisführung in Plagiatsfällen erforderlich. Nur besonders plumpe Plagiate erfolgen aus veröffentlichten Schriften, viele bedienen sich auch auf subtilere Weise an den Werken anderer. Durchdachte Richtlinien können die Beweisführung und die Plagiatsfolgen klar umreißen und durch Abschreckung und Aufklärung zum Nutzen aller Plagiate vermindern.

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