Dank einer freundlichen Einladung hatte ich auf der diesjährigen Re:publica Gelegenheit, einen Workshop zum Thema Plagiarismus 2.0 einzuleiten. Das Interesse war trotz des späten Termins hoch und unser Saal gut gefüllt. Mir fehlt zwar der Vergleich zu Vorjahren, doch ich hatte den Eindruck, dass das Interesse an Plagiarismus (und deren Vermeidung) unter Bloggern zunimmt. Besonders diejenigen, die besonderen Wert auf die Qualität ihrer Artikel legen, fühlen sich betrogen, wenn der eigene Artikel unter fremdem Namen erscheint.
Intensiv wurde über das Plagiarismusproblem im Hochschulbetrieb diskutiert. Hier werden die Wurzeln gesät für den späteren Umgang mit dem geistigen Eigentum anderer. Es wurde berichtet, dass allein in einem ein Kurs 4 Plagiatoren überführt wurden, deren Strafe jedoch lediglich darin bestand, ein neues Thema zu bearbeiten. Auch komplette Diplomarbeiten wurden bereits kopiert und eingereicht.
Der Grund für den universitären Ideenklau ist zuerst Faulheit („Warum soll ich mir zu einem Thema etwas ausdenken, dass schon 20 Leute vor mir beackert haben?“). Ebenso wichtig scheint jedoch das wahrgenommene Bagatelldelikt. Wenn Plagiate keine Folgen haben, kann auch kaum vermittelt werden, dass sie falsch sind. Und zu guter Letzt schleicht sich auch die Gewohnheit ein. Wenn man 6 Semester gut damit fährt, die Hausarbeiten zusammenzukopieren, hört man bei der Diplomarbeit nicht auf.
Als wirksam wurden ausschließlich soziale Maßnahmen benannt. In Bereichen, in denen Plagiate öffentlich gemacht wurden und die Plagiatoren z.B. ein Semester zurückgestuft wurden, konnten tatsächlich Einsichten erzeugt und ein Rückgang der (entdeckten) Plagiatsfälle verzeichnet werden.
Um sich selbst vor Plagiaten zu schützen, greifen einige Blogger verstärkt auf eine rasche Veröffentlichung zurück. Durch die Veröffentlichung wird der Schöpfungszeitpunkt gespeichert und Plagiatoren haben es schwerer, sich selbst als Autor zu inszenieren. Als Medium nutzt man - wen wunderts – den Blog.