25.000 Autoren befragt - Was bringt das Urheberrecht?

Posted by Peter on Oktober 14, 2008 at 2:16 .

Irights.info veröffentlichte ein Interview mit Martin Kretschmer, Professor am Center for Intellectual Property Policy and Management der Universität Bournemouth. Prof. Kretschmer befragte 25.000 Autoren danach, wie und auf welche Weise sie ihr Geld verdienen. Schriftsteller in Deutschland verdienen demnach im Durchschnitt 12.000 EUR pro Jahr, in Großbritannien sind es 50% mehr. 80% der befragten Autoren können derzeit nicht von ihrer Arbeit leben und haben nebenbei einen oder mehrere Jobs zur Finanzierung ihres Lebensunterhalts.

Grund für diese prekäre Lage ist nicht ein zu schwaches Urheberrecht sondern die Verteilung von Marktmacht. Einzelnen Autoren steht in der Regel kein Instrumentarium zur Verfügung, um sich gegen Vertragsvorschläge von Verlagen, Labels oder Produzenten durchzusetzen. Die Folge ist, dass diese Verträge die weitgehende Übertragung von Verwertungsrechten vom Urheber auf den Verwerter festlegen. Durch stärkere Urheberrechte profitiert danach nicht mehr der Urheber sondern der Verwerter. Auch von einer Verlängerung der Schutzrechte, wie derzeit diskutiert, wird die finanzielle Lage der Urheber praktisch nicht verbessern, glaubt Prof. Kretschmer.

Gegenfrage: Würde ein schwaches Urheberrecht helfen? Wohl kaum. Schwächere Urheberrechte würden die Verwertungschancen der Industrie schmälern und es wäre damit zu rechnen, dass dieser Rückgang zu einem erheblichen Teil an die Urheber durchgereicht würde.

Es scheint, als wäre der “Sündenbock” Urheberrecht sowohl von der Industrie als auch von Urheberseite zu Unrecht thematisiert worden. Die Vertragsgestaltung und die ungleichmäßige Ausübung von Marktmacht sind Grund für “arme Künstler”. Und hier schafft das Leben bereits Fakten, während in der Theorie noch diskutiert wird.

Viele Musiker verzichten einfach komplett auf die Unterstützung der Musikindustrie. Sie vermarkten sich selbst, organisieren eigene Tourneen und verkaufen Songs und Merchandizing selbst und online. Auch unter Autoren wird der Verzicht auf die Leistung von Verlagen zunehmen, denn sowohl Distributions- als auch Vermarktungsmöglichkeiten stehen heute jedem Einzelnen in viel stärkerem Maße zur Verfügung, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war.

Wenn keine Abtretung der Rechte erfolgt, kommen durch das Urheberrecht gewährte Privilegien dem Urheber tatsächlich zu Gute. Und dieser profitiert davon, denn er kann auf Basis dieser Rechte frei entscheiden, wie er seine Werke verteilt und vermarktet.

Ein stärkeres oder schwächeres Urheberrecht würde sich also in absehbarer Zeit tatsächlich auf die Urheber und deren Einkommen auswirken. Eine Argumentation, die nur die Effekte auf die (Musik)Industrie berücksichtigt, greift zu kurz.

Als Konsument und “Kulturverbraucher” dürfte es natürlich trotzdem wichtig sein, sich gegen übermäßige Ausdehnungen des Urheberrechts zu schützen, denn unabhängig davon, ob das Geld bei der Industrie oder bei den Urhebern landet, seine Herkunft hat es in den Taschen der Verbraucher. Doch wenn man möchte, dass von dem eigenen Entgelt mehr dem Urheber und weniger der Industrie zu Gute kommt, dann ist das Urheberrecht der falsche Gegner.

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